Zum Jubiläum von Rotary International setzt der Club kulturelle und soziale Zeichen. Durch eine Spende der Rotarier lebt die restaurierte "Alte Corbacher Stadtbibel" in neuem Glanz wieder auf. Die bibliophile Kostbarkeit wurde um 1480 gedruckt und am Montag zum Jubiläumsfest im Museum feierlich wieder an die Stadt überreicht. In Bad Arolsen fördert der Club parallel ein Projekt für Jugendliche - eine Skater-Anlage. Club-Präsident Heinz-Robert Behle sah in den beiden Spenden zugleich Ausdruck wichtiger Ziele des Rotary-Gedankens: Förderung junger Menschen und Besinnung auf christliche, kulturelle Werte. Das unterstreicht gerade der Titel des laufenden Rotary-Jahres: "Jugend und Bildung". Vor über 100 Rotariern und Gästen nahmen Bürgermeister Klaus Friedrich und Museumsleiter Dr. Wilhelm Völcker-Janssen die restaurierte historische Stadtbibel mit großem Dank entgegen. "Museen brauchen starke Partner", erklärte der Rathauschef, auch mit Blick auf leere öffentliche Kassen. Generell sei der Rotary-Club durch sein soziales Engagement "ein Aktivposten" in Korbach und Arolsen. Für Ralf Goll, Governor des Rotary-Districts 1820, ist dies nur konsequent. Denn eine enge Zusammenarbeit der Rotarier mit den Kommunen sei unerlässlich, um die sozialen Aufgaben zu erfüllen. Die Jubiläumspräsente des heimischen Clubs würdigte Goll (Bad Homburg) als vorbildlich. Im Festvortrag blickte Gerhard Reuse auf die Ursprünge der Rotary-Clubs zurück und stellte die konstruktiv-kritische Frage: "Ist Rotary noch zeitgemäß?" Das indes war mehr rhetorisch zu verstehen, denn an Sinn, Werten und Aufgaben der Rotarier zweifelte der Korbacher Pfarrer im Ruhestand nicht. Gegründet 1905 durch den Juristen Paul Harris in Chicago, ist Rotary International inzwischen in 166 Ländern mit Clubs aktiv. Geschäftsleute, Ärzte, Anwälte, führende Vertreter ihrer Zunft sind dort vereint. "Anhebung der Sittlichkeit", Freundschaft und Förderung des Weltfriedens nannte Reuse als Triebfedern der Pionierjahre Anfang des 20. Jahrhunderts. Dabei hing den Clubs über Jahrzehnte eher etwas Geheimbündlerisches an. "Vieles hat sich geändert, als man den Club als Sponsor entdeckte", konstatierte Reuse mit Augenzwinkern. Denn damit ging in den vergangenen Jahren auch eine erheblich stärkere Öffentlichkeitsarbeit der Rotarier einher. Extern setzt sich der heimische Club ein für Menschen in Not, für Austausch mit anderen Ländern, für Ausbildung junger Menschen oder Hilfslieferungen nach Ostpreußen. Hinzu kommen internationale Projekte wie der Kampf gegen Kinderlähmung. Millionensummen haben die Rotarier weltweit durch eigene und fremde Spenden gesammelt. Da entdeckte Gerhard Reuse bei Rotary International durchaus "Strukturen von Kirche" - auch mit all ihren Hierarchien. So "mancher Bürokratismus" könne nach 100 Jahren Rotary "durchaus über Bord gehen", folgerte der Festredner. Doch humanitäre Hilfe und Verantwortung für die Gesellschaft als Kernaufgaben der Rotarier seien heute so aktuell wie in den turbulenten Zeiten der Industrialisierung. Reuses Appell: Rückbesinnung auf die Wurzeln der Gründerjahre, Mitwirken, um ein besseres Umfeld für Familien und Kinder zu schaffen, "gesamtgesellschaftlicher Zukunftsverweigerung" entgegentreten - und verstärkt um örtlich nahe liegende Projekte kümmern. So bietet sich dem Rotary-Club Korbach-Bad Arolsen weiterhin ein breites Spektrum sozialen Engagements. Für Präsident Heinz-Robert Behle nur ein Grund mehr, für Rotary International und den heimische Club optimistisch in die Zukunft zu blicken.
Biblia latina cum Glossa ordinaria
gedruckt in Straßburg bei dem Drucker Adolf Rusch mit den Typen Johann Amerbachs (Basel) für den Verleger und Drucker Anton Koberger (Nürnberg), nicht nach 1480
restauriert 2005 mit Hilfe einer Spende des Rotary-Clubs Korbach – Bad Arolsen aus Anlass des 100. Geburtstages von Rotary-International
Der handschriftlich als „Alte Corbacher Stadtbibel“ bezeichnete Band enthält auf ursprünglich 290 Blättern das Neue Testament mit den vier Evangelien, der Apostelgeschichte, den Briefen und der Offenbarung des Johannes. Der als „Korbacher Stadtbibel“ bezeichnete Band ist Teil einer vierbändigen gedruckten kommentierten lateinischen Bibelausgabe, der Biblia cum Glossa ordinaria.
Die Korbacher Stadtbibel wurde durch einen mehrere Jahrzehnte zurückliegenden Wasserschaden und den daraus resultierenden Schimmelbefall insbesondere der rückwärtigen Lagen erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Erst dank der Spende des Rotary-Clubs Korbach-Bad Arolsen anläßlich des 100. Geburtstages von Rotary-International war es möglich, diese bibliophile Kostbarkeit fachgerecht restaurieren zu lassen.
Aufgrund ihrer Entstehungszeit gehört die Korbacher Stadtbibel zu den Inkunabeln, den sog. Wiegendrucken. Als solche bezeichnet man alle Druckwerke aus der Frühzeit des Buchdrucks bis einschließlich des Jahres 1500. Die im Jahre 1480 oder kurz zuvor bei Adolf Rusch in Straßburg gedruckte Bibel (Terminus ante quem für die Fertigstellung der Bibel ist ein Kaufvermerk in dem Exemplar in Cambridge aus dem Jahr 1480) war eine Auftragsarbeit für den Nürnberger Verleger, Buchhändler und Drucker Anton Koberger.
Der Straßburger Papierhändler und Drucker Adolf Rusch, der den Auftrag für den Druck der Biblia cum Glossa ordinaria erhalten hatte, lieh sich für den Druck – möglicherweise auf Vermittlung Anton Kobergers – die Drucktypen des Basler Druckers Johann Amerbach aus. Dessen Typen galten, wie mehrere Nachschnitte belegen, als besonders ebenmäßig.
Das Konzept der Bibelausgabe sah vor, den eigentlichen Bibeltext zusammen mit der Glossa ordinaria, dem bedeutendsten biblischen Kommentarwerk des Mittelalters, herauszugeben. Dabei wurden die kommentierenden Texte als Interlinearglosse zwischen den Bibelzeilen und als Marginalglosse in zwei Spalten außen um den biblischen Text herum angeordnet.
Die Fertigstellung des Bibelwerkes wurde von den Zeitgenossen als drucktechnische Meisterleistung gefeiert. Die vollständige Ausgabe der Biblia cum Glossa ordinaria kostete 18 Gulden. Für die Illuminierung und Ausstattung des Buches mit Blüten waren weitere 15 Gulden zu zahlen. Noch nicht enthalten war in diesen Kosten der Preis für den Einband der Buchbinderwerkstatt.
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