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Neuerlich eine traurige Nachricht
Hans-Kurt Boehlke verstorben

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Nachrichtenbild Erst in der vergangenen Woche hatte er seinen 85. Geburtstag gefeiert und hierzu das Krankenhaus verlassen. Viele rotarische Freunde waren seiner Einladung zu diesem freudigen Ereignis gefolgt. Nun verstarb unser hoch geschätzter rotarischer Freund Boehlke doch ganz unerwartet. In Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt Kassel war er 2006 mit dem Wappenring ausgezeichnet worden (Laudatio). Die Beisetzung fand am 04.02.2010 auf dem Westfriedhof statt.

Sehr geehrte Damen,sehr geehrte rotarische Freundinnen und Freunde, sehr geehrte Gäste,

wir alle haben in der vergangenen Woche mit Betroffenheit zur Kenntnis nehmen müssen, dass unser hochgeschätzter rotarischer Freund Hans- Kurt Boehlke am 29. Januar, nur wenige Tage nach Vollendung seines 85. Lebensjahres, an seiner schweren Krankheit verstorben ist. Unser Mitgefühl gilt in erster Linie seiner lieben Frau Hannelore, seinen Kindern und deren Familien. Wir teilen den großen Schmerz, den die Angehörigen über den Tod des Verstorbenen empfinden, mit ihnen.

Das Ende bahnte sich bereits durch die zunehmende Atemnot seit einigen Monaten an. Es war nach seinem eigenen Bekunden sein letzter Wunsch, den 85. Geburtstag, den er am 25. Januar begangen hat, im Kreise seiner Familie und seinen Freunden in großer Runde noch zu erleben. Dieser Wunsch war ihm vergönnt. Wenige Tage später ging sein Ringen nach dem letzten Atemzug zu Ende. Ein langes und erfülltes Leben hatte seinen Abschluss gefunden. Wir alle müssen mit dem Unabwägbaren jetzt fertig werden.

Der Name Boehlke ist für die meisten von uns untrennbar mit dem Museum für Sepulkralkultur verbunden. Dieses Museum ist heute aus Kassel nicht mehr wegzudenken. Es bildet auch eine große kulturelle Bereicherung nicht nur für unsere Stadt, sondern auch weit darüber hinaus. Aber der Weg dorthin war sehr steinig und beschwerlich. Es half nur eins: Unbeugsame Beharrlichkeit und viel Geduld! Davon hatte er „Gott sein Dank“ genug!

Im Jahre 1925 wurde er in Kassel geboren. Nach Ende des 2. Weltkrieges, den er als aktiver Seeoffizier bei der Deutschen Kriegsmarine erlebt und überlebt hatte, begann er sein Studium der Architektur in Stuttgart, später studierte er in Göttingen Kunstgeschichte, klassische und frühchristliche Archäologie sowie Ur- und Frühgeschichte.

Seine Dissertation über ”Simon Luis du Ry als Stadtbaumeister Landgraf Friedrich II. von Hessen Kassel” diente unter anderem als Grundlage für den Wiederaufbau Kassels nach dem 2. Weltkrieg. Ein Tatbestand, der in der Öffentlichkeit nur wenigen bekannt ist.

Nach Abschluss seines Studiums im Jahre 1954 arbeitete er zunächst als fachlicher Mitarbeiter, dann ab 1956 als Zweigstellenleiter und Schriftleiter der von ihm gegründeten Zeitschrift „Friedhof und Denkmal“ bei der drei Jahre zuvor ins Leben gerufenen Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal in Bonn. Die AFD - so wie sie genannt wird - ist eine gemeinnützige Vereinigung, die sich die Pflege und die Förderung der Friedhofs- und Denkmalkultur zum Ziel gesetzt hat.

Nachdem er in den Vorstand der Arbeitsgemeinschaft aufgerückt war, wurde der Sitz der AFD auf sein Betreiben hin 1960 nach Kassel verlegt. Im selben Jahr übernahm er dann schließlich das Amt des geschäftsführenden Vorstandsmitglieds in der AFD. In dieser Eigenschaft forderte er schon früh ein eigenes Institut für Sepulkralkultur, welches sich der Grundlagenforschung widmen sollte.

Im Jahre 1979 wurde dies schließlich hier in Kassel gegründet. Dabei war sein ehrgeiziges Ziel von Anbeginn, ein Museumsgebäude für Sepulkralkultur in Kassel zu errichten. Nach der Überwindung vieler Hürden und Schwierigkeiten erfolgte 1989 schließlich die Grundsteinlegung, ehe im Jahre 1992 das Museum für Sepulkralkultur im Beisein des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizäcker und vieler namhafter Gäste aus dem In- und Ausland seiner Bestimmung übergeben wurde.

Ein Museum – das sich mit den eigentlichen Tabu-Themen Sterben, Tod und Trauer beschäftigt – begann im Jahre 1992 sprichwörtlich zu leben. Doch damals konnte kaum jemand sagen, welchen Weg das Museum einschlagen würde, für dessen Zielsetzung keine Vorbilder exsistierten. Heute, nach rund 17 Jahren, lässt sich feststellen: Das Museum für Sepulkralkultur ist einzigartig in Deutschland und Dank seines Einsatzes und seiner Beharrlichkeit, eines der Aushängeschilder der thematisch reichen Kasseler Museumslandschaft und eine Beispiel unserer kulturellen Vielfalt.

Freund Boehlkes vielfältigen Verdienste für unserer Stadt und darüber hinaus auch auf anderen Gebieten vollständig zu würdigen, würde den Rahmen dieses Nachrufes bei weitem übersteigen, doch einige Beispiel möchte ich noch kurz nennen:

  • 25 Jahre gehörte er dem Denkmalbeirat der Stadt Kassel seit Gründung des Gremiums im Jahre 1976 an. Mit Sachkunde und Engagement hat er die Interessen des Denkmalschutzes in Kassel vertreten, 10 Jahre davon bis zu seinem Ausscheiden im Jahre 2001, als Vorsitzender. - Unter dem damaligen Oberbürgermeister Eichel war er auch Mitglied im Kasseler Museumsbeirat.
  • Im Jahre 1978 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Arbeitskreises selbständiger Kultur-Institute – bis 1985 war er dessen Vorsitzender.
  • Er war im Fachausschuss des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalpflege und auch im Kuratorium des Kasseler Hochschulbundes.
  • Die Mitgliedschaft in der Findungskommission der Stiftung des Bürgerpreises „Glas der Vernunft“ gehörte ebenso zu seinem anspruchsvollen Engagement.

Zahlreiche Veröffentlichungen auf kunstgeschichtlichem und kulturellem Gebiet, besonders über Geschichte, Gestaltung von Friedhof, Grab- und Kriegsopferdenkmal stammen aus seiner Feder. In allen Gremien hat er seine Vorstellungen stets zielstrebig eingebracht – wie z. Beispiel beim Wiederaufbau, bzw. Umbau des Schlosses Wilhelmshöhe, des Königsplatzes sowie bei der jüngsten Diskussion um die Gestaltung des Fußweges an der Fuldapromenade. Für all diese Aktivitäten wurde er mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem mit dem

- Bundesverdienstkreuz am Bande

- Bundesverdienstkreuz 1. Klasse des Bundesverdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

- Goldene Ehrennadel des Bundesinnungsverbandes des Deutschen Steinmetz, Stein- und Holzbildhauerverbandes

- Goetheplakette des Landes Hessen

- Wappenring der Stadt Kassel, die zweithöchste Auszeichnung, welche die Stadt Kassel nach der Ehrenbürgerschaft zu vergeben hat.

Freund Boehlke verfügte bis zu seinem Todes nicht nur über ein brillantes Fachwissen auf vielen kunsthistorischen Gebieten, sondern darüber hinaus auch über ein hervorragendes Langzeitgedächtnis bis in alle Einzelheiten, was mich immer wieder in Staunen versetzt hat und jede Unterhaltung zu einem Erlebnis werden ließ.

Bei der Vielzahl seiner Aktivitäten, die hier nur bruchteilhaft wiedergegeben werden können, kommen wir nun zu seinem, über alles geliebten Rotary Club Kassel. Freund Boehlke war bis zur letzten Stunde seines Lebens ein überzeugter Rotarier mit Herz und Seele. Ja, die rotarische Gemeinschaft, die rotarischen Grundprinzipien und Ideale waren für ihn zu einem wesentlichen Bestandteil seines Lebens. Aufgenommen in den Rotary Kassel wurde er im Juli 1966 von dem amtierenden Präsidenten von Scharfenberg, dem damals jüngsten Gründungsmitglied unseres Clubs. Unsere Clubgründung erfolgte, wie wir alle wissen, im Jahre 1950. Auch er war einer der an Jahren jungen Rotarier, die schnell voll eingespannt wurden. Von Ende 1966 bis 1969 war er Sekretär, danach hatte er mehrere Funktionen im Clubvorstand inne.

Im rotarischen Jahr 1973/74 bekleidete er das Amt des Präsidenten. Das Amt des Distrikt-Governors für den Distrikt 1820 wurde ihm im rotarischen Jahr 1994/95 übertragen.

Auf Grund seiner großen Verdienste, die sich Freund Boehlke in den langen Jahren seiner Zugehörigkeit für seinen Rotary Club Kassel und darüber hinaus auch für Rotary International - Distrikt 1820 - , erworben hatte, hatte ich die Ehre, ihn anlässlich unserer letzten Gründungsfeier am 09. November 2009, mit der Paul Harris Fellow Nadel mit dem 1. Rubin auszuzeichnen.

Freund Boehlke verkörperte die rotarischen Tugenden und Ideale wie kein anderer und hat unserem Club in hervorragender Weise gedient. Sein Rat und seine große Erfahrung wurden gefragt, sie wurden angenommen und auch befolgt.

Wir können alle froh und dankbar darüber sein, dass wir ihn solange als Freund in unserer Clubgemeinschaft erleben durften. Mit seinem letzten Vortrag, den er - damals schon von seiner Krankheit gezeichnet und von seiner lieben Frau Hannelore unterstützt - auf unserer bereits angesprochenen Gründungsfeier unter dem Titel „Clubinterne Reimereien aus vier Jahrzehnten“- gehalten hatte, hat er Clubgeschichte geschrieben.

Als Ausdruck unseres Dankes und als Geschenk zu seinem 85.Geburtstag hatten wir die gereimten Verse zusammengefasst und zu einer kleinen Broschüre mit einer Auflage von 100 Stück drucken lassen. Bei der Übergabe an seinem Geburtstag konnte ich den Eindruck gewinnen, dass er sich über diese Geste sehr gefreut hat. Wir werden unserem verehrten Freund Hans-Kurt Boehlke in unseren Herzen ein stetes Andenken bewahren.

Georg Kleinschmidt

Donnerstag, 4. Februar 2010/web741
Letzte Änderung: 21.07.10/web741


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